Glücksspielsucht
Diagnose
Eine Glücksspielsucht bzw. Glücksspielstörung zeichnet sich laut ICD-11 (WHO) aus durch:
- Kontrollverlust über das Spielen
- Verdrängung anderer Interessen und Alltagsaktivitäten
- Fortsetzung und Steigerung des Spielens trotz negativer Auswirkungen
Damit diese Störung als solche diagnostiziert werden kann, muss das Verhalten so schwerwiegend sein, dass es zu einer Beeinträchtigung der persönlichen, familiären, sozialen, erzieherischen und beruflichen Aktivitäten oder anderer wichtiger Funktionsbereiche führt und über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten zum Ausdruck kommt.
Laut DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) spricht man von „Gambling Disorder“ („Störung durch Glücksspielen“), wenn über einen Zeitraum von zwölf Monaten mindestens vier der folgenden neun Kriterien vorliegen:
- Notwendigkeit des Glücksspielens mit immer höheren Einsätzen
- Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben
- Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspielen zu kontrollieren
- Starke gedankliche Eingenommenheit durch Glücksspielen
- Häufiges Glücksspielen in belastenden Gefühlszuständen
- Glücksspielen am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen
- Belügen anderer, um das Ausmaß des Glücksspielens zu vertuschen
- Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, des Arbeitsplatzes, von Ausbildungs- oder Aufstiegschancen aufgrund des Glücksspielens
- Verlassen auf finanzielle Unterstützung durch andere, um eine glücksspielbedingte finanzielle Notlage zu überwinden
Bei weniger erfüllten Kriterien spricht man je nach Schweregrad von einem riskanten oder problematischen Spielverhalten.
Prävalenz
In einer im Jahr 2023 durchgeführten Befragung durch das ISD Hamburg wiesen 2,4% der Befragten nach den Kriterien des DSM-5 eine „Störung durch Glücksspielen“ auf (2021: 2,3%). Eine leichte Störung ist bei 1%, eine mittlere Störung bei 0,7% und eine schwere Störung bei 0,7% feststellbar. Weitere 6,1% zeigen ein riskantes Spielverhalten.
Bezogen auf einzelne Spielformen sind Spieler:innen an virtuellen Automatenspielen mit 32,8% am häufigsten von einer glücksspielbezogenen Störung betroffen, gefolgt von Live-Sportwetten mit 31,8%, Poker mit 26,9% und Geldspielautomaten mit 25,5%.
Insgesamt 6,7% der Befragten kennen eine oder mehrere Personen in ihrem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, für die das Glücksspiel zu einer Belastung oder einem Problem geworden ist.
Kann man eine Glücksspielsucht überwinden?
Von einer Glücksspielsucht Betroffene können lernen, mit ihrer Erkrankung umzugehen und wieder ein zufriedenstellendes Leben zu führen. Es gibt zahlreiche Beratungs- und Behandlungsangebote, die dabei helfen. Manchmal braucht es mehrere Anläufe. Langfristig schaffen es etwa 60% der Betroffenen, nach einer Behandlung glücksspielfrei zu bleiben.